Reparaturbeispiele
 
 
Peavey Classic 30
Beim Ausklingen der Saiten stört eine lästige „Rauschfahne“. Ursache: die alten Endröhren EL84 bringen an sich noch die erwartete Leistung, aber die Elektroden haben sich im Innern der Röhren durch die ungünstige Konstruktion der Combo (Vibrationen durch den eingebauten Lautsprecher) von ihrer Aufhängung gelöst und wurden „mikrofonisch“.
Problemlösung: neue EL84 eingesetzt und vorbeugend eine elastische Röhrenaufhängung nachgerüstet
 
 
Marshall Artiste 100W, TOP-Teil
Dieser Marshall aus den 70ern wurde von verschiedenen Werkstätten als „unreparierbar“ erklärt. Diverse teure Reparaturversuche brachten nichts, der Verstärker blieb stumm. Der Musiker brachte mir seinen geliebten Amp. mit der Bemerkung, dass ich seine letzte Hoffnung sei.
Problem und -lösung: ein Draht war zwischen der Hartpapierplatte und einem ELKO-Anschluss eigeklemmt und hat mit der Zeit einen Kurzschluss verursacht. Nach zusätzlichem Einpegeln der BIAS war der alte Powersound wieder voll da.
Mettler CountryA50B Baujahr 1971
Dieser alte Bassverstärker der ehemaligen Schweizer Amp-Schmiede in Amriswil war in einem erbärmlichen Zustand: Netztrafo verbrannt, weil die BIAS-Spannung fehlte (4,7uF-ELKO hatte Feinschluss) und die Anodenspannung nicht abgesichert war. Die EL34 haben es überlebt!!!
Problemlösung: neuer Trafo eingesetzt mit notwendigen mech. Anpassungen, BIAS-Spannungserzeugung neu konzipiert, Sicherung an Anodenspannung nachgerüstet, Schirmgitterwiderstände angepasst
Mettler CountryA50G Baujahr 1969
Dieser alte Lead-Gitarren-Amp hat zwar noch Töne von sich gegeben, aber unharmonisch verzerrt und mit viel zu geringer Leistung (nur 12 statt 50 Watt)
Problem und -lösung: Kondensatoren mit Feinschluss und hochohmig gewordene Schirmgitterwiderstände: fast alle Widerstände und Kondensatoren in der Phasenumkehr-  und Endstufe ersetzt. Danach Leistung gemessen mit 1kHz Sinus bei 5% Klirr: 55 Watt. Top Sound! (Schema selber „rekonstruiert“)
Laney LC15   Baujahr 1996
Dieser kleine Amp erstaunt immer wieder! Der Besitzer treibt damit ein 4 x 12“ Cabinet und macht damit ordentlich Dampf! Nach kurzer Einschalt-Dauer stört ab und zu ein lautes „Chrosen“. Ursache: die Isolation der etwas „lausigen“ Abschirmung (Bild: papierbeschichtete Alu-Folie), die von vielen, auch renommierten Amp-Herstellern eingesetzt wird, war durchgescheuert. Eine Isolation unterklebt und der Amp macht wieder richtig Freude! Der Wunsch des Musikers, eine zusätzliche niederpeglige Eingangsbuchse (10 - 300 mV), konnte auf einfache Art erfüllt werden. Zudem war die BIAS zu tief eingestellt (ca. 15 mA pro EL84). Neu 24 mA!
Diverse Amp mit „Send/Return“ oder „Pre OUT/Pwr IN“ usw.
Klinkenbuchsen mit Schaltkontakt findet man oft bei der „Return“- oder „PowerAmp IN“-Buchse. Solange kein Stecker in dieser Buchse steckt, leitet der rechte Schaltkontakt das Signal an die nächste Verstärkerstufe weiter. Wird dieser Schaltkontakt selten bis nie betätigt, weil keine Geräte eingesteckt werden, so kann durch Ablagerung (Feuchtigkeit, Teer von Zigarettenrauch, schmutzige Luft) oder Oxidation plötzlich der Ton wegbleiben oder in der Lautstärke schwanken. Ein Fehler, der in letzter Zeit häufig vorkommt. Meistens genügt eine Kontaktreinigung.
 
Peavey Heritage vtx   Baujahr 1984
Bei diesem alten Kraftprotz wurden vor ein paar Jahren die „Originalen“ 6L6GT gegen 5881 ausgetauscht. Das ist zwar üblich und „wertet“ den Sound im Allgemeinen auf. Leider ist der Heritage dafür nicht geeignet, weil die Anodenspannung dieser Hybridendstufe über 500 Volt liegt und Kathodengesteuert ist (250Vss mit 2 Transistortreiber TO3-300V/2A) und somit die Daten der 5881 (max. 400V/200V) überschreitet. Das Unheil hat sich längere Zeit durch Aussetzer und Kracher im Speaker angekündigt, bis sich eine der noch relativ neuen 5881 mit „Knalleffekt“ (Kurzschluss Kathode-Heizung) verabschiedet hat. Mit einem neuen 6L6GC-Quartett macht der Amp. wieder ordentlich „Dampf“! (JJ-Quartett von TubeTown speziell dafür optimiert)
Oberes Bild: erfolgreicher Testlauf mit einem alten 6L6GC-Quartett
Unteres Bild: Die beiden TO3-Treibertransistoren und die abgesetzte Printplatine die für den Betrieb des Röhren-Quartetts zuständig ist.
Vorteil dieses Konzepts. satte 130 Watt, klarer Sound mit einem „sehr kalten“ Ruhestrom von ca. 15 mA für eine „lange Lebensdauer“.
(Gitter 1 auf +15 VDC konstant und an der Kathode +78 VDC/250Vss)
Combos  (im Bild zB. ein Fender Blues Junior)
Alle Combos haben das Problem, dass die Vibrationen des Speakers, der direkt vor den oft hängend montierten Röhren platziert ist, diese zum vibrieren veranlassen und dadurch sehr stark mechanisch beansprucht werden (Siehe Bild). Sind es bei den Peaveys vielfach nur die Endröhren selber die darunter leiden, so sind es bei anderen Combos zusätzlich die Lötstellen der Röhrensockel. Bei diesem Fender trotz Federn bei den beiden EL84 passiert. Sockel nachlöten und alles ist wieder iO.
Steelphon  Baujahr 1973
Einer der ersten Volltransistor Gitarrenamps: Vorstufen mit diskreten Silizium- und Germaniumtransistoren, die Endstufe in Halbleiter-Hybridtechnik (vermutlich von Sanken für Steelphon gefertigt).
Nach der Reparatur im Netzteil (Elkos, 2 Widerstände und eine Sicherung) erstaunt das italienische Kultteil aus Turin mit einem aggressiven und sehr lauten Leadsound. Der Federhall ist mit vier Spiralfedern „fliegend“ isoliert aufgehängt. Vorsicht beim Transport!
Alte ELKOs  
Diese beiden Hochvolt-ELKOs stammen aus einem alten 180 Watt Fender (6x6L6GC) aus den 70er Jahren. Auf der Plusseite ist Elektrolyt ausgelaufen. Ein häufig auftretender Fehler bei ELKOs, die in die Jahre gekommen sind.
Interessant ist, dass beide Kondensatoren ihren Zweck noch voll erfüllten. Einzig der Reststrom war leicht erhöht, aber die Kapazität noch voll da! Solche Teile bilden eine „Zeitbombe“ und müssen sofort ersetzt werden.
Ampeg v4 (oder als Combo vt22)  
Von der USA in die CH importiert. Ein neuer Trafo für das 230 Volt-Netz wurde eingebaut. Dabei wurde übersehen, dass die BIAS mit einem kapazitiven Spannungsteiler erzeugt wird. Bei den europäischen 50 Hz im Gegensatz zu den 60 Hz in den USA sinkt die negative BIAS-Spannung um etwa 20 Prozent. Der BIAS-Strom erreicht dann unzulässig hohe Werte, was die ohnehin schon sehr stark belasteten Endröhren ins „Nirvana“ treibt. Ueber 50 mA bei einer Anodenspannung von knapp 600 Volt reduziert die Lebensdauer der 7027A gewaltig!.
Bis Jan. 2016 wurden über 2500 Reparaturen im Bereich Gitarrenamps, PA, HIFI, Effekte, Bodentreter, Gitarren-/Bass-Aktiv-/Passivelektronik usw ausgeführt.
 
VOX-Head: Dieser Siebelko ist geplatzt. Glücklicherweise ist nur wenig von der Gel-Mass ausgetreten. Solche Defekte können sehr schlimme Folgeschäden verursachen
 
Fender Amps auf Basis AA270  (Twin Reverb, Super Reverb usw.)
Das Vibrato ist bei allen Fender-Amps der 60er und 70er-Jahre auf der Basis des Schemas AA270 ein Aergernis. Das lautstärkeunabhängige Pumpgeräusch im Speaker, besonders bei schneller Speedeinstellung, kann durch einen simplen Mod beseitigt werden. Zwischen Anode der zweiten Triode und dem Optokoppler wird ein Widerstand zwischen 50 und 100 kOhm eingesetzt und nach Masse ein C von 10 bis 100 nF.
JCM900: Ein grosser Bastler vor dem Herrn hat einen Marshall JCM900 zu einem Universal-Amp umgebaut.
Der Rückbau in Richtung Original war sehr aufwändig und vor allem war die Faceplate durch die Zusatzlöcher nicht mehr zu retten.
Sandberg-Bass: Diese Aktivelektronik eines E-Bass hat wohl Salzwasser abbekommen. Eine gründliche Reinigung mit Spezial-Tunerreiniger war die Rettung. Mit viel Glück sind die SMD-Bauteile heil geblieben.
Ashdown: Heizsicherungshalter überhitzt! Mangelhafter Federkontaktdruck und/oder Oxidation führt bei Sicherungswerten über
2 A sehr oft zu diesen Ausfällen. Wenn der Uebergangswiderstand sich mit der Zeit leicht erhöht beginnt ein Teufelskreis bis zum Totalausfall.
Nach einem Sturz sehen die Potiachsen zB. ev. so aus! Wenn Spezialpotis verbaut sind kann speziell bei älteren Amps die Ersatzbeschaffung problematisch sein. Dann ist „gekonntes Basteln“ oft die einzige Chance!
 
Randall 100: Ueberschlag vom HT-Widerstand R129 zum Heizgleichrichter. Grund: nicht normgerechter Abstand zwischen dem Lötauge des Widerstandes mit ca. 470 Vdc und dem äusseren Lötauge des Gleichrichters mit 6,3 V.
Nach verlegen der Verbindungen und einer Silikonisolationsschicht läuft der Amp wieder und ist nun betriebssicherer als er im Originalzustand war.
Aguilar DB359: Die Verbindung zwischen Ausgangsübertrager und Anode der einen Endröhrenseite ist gerissen. Der Amp zerrt früh, hat nur noch wenig Leistung und einen dünnen, harschen Sound.
HBE-Effektgerät: Ein Netzteil mit falscher Polarität wurde angeschlossen. Der Sicherungswiderstand ist völlig abgeraucht, der Elko links daneben ist gebläht. Widerstand und Elko ersetzt, der Effekt ist wieder ok!
Seeburg Jukebox:
 
 
 
 
 
Der Verstärker ist links und und das Steuergerät rechts auf dem Bild angeordnet. Der Verstärker zerrt schon bei kleiner Leistung sehr stark.
Der schwarze Ausgangstrafo im Bild ganz links hat Windungsschluss.
Nach dem Oeffnen des Trafos zeigt sich, dass die Haube links im unteren Bild total mit Oberflächenrost überzogen und feucht ist. Feuchter Rost bildet eine Lauge, die Strom sehr gut leitet.
Der Trafo kam einige Tage in eine Trocknungskammer, wo mit erhöhter Temperatur und Unterdruck der Wicklung die Feuchtigkeit entzogen wurde. Danach wurde er in Isolierlack getränkt.
Der nur noch schwer beschaffbare alte Uebertrager funktioniert wieder einwandfrei.
 
Eigenbauverstärker: Der Besitzer hat diesen Eigenbau via Ebay erstanden. Nach einiger Zeit fiel der eine Kanal aus. Viele schlechte Lötstellen mussten nachgelötet und einzelne Halbleiter ersetzt werden. Der wilde und unbefestigte „Drahtverhau“ ist oft bei Eigenbauten zu bemängeln. Die Messwerte (Leistung, THD und Rauschen) sind aber trotzdem recht gut.
Braun PS550: Ein damals teurer Luxus-Plattenspieler mit viel analoger Elektronik aus den 60er/70er-Jahren. Die Mechanik musste revidiert werden und der Störschutzkondensator (oben rechts im Bild) hat sich scheinbar explosionsartig selbst zerlegt. Teile des zerfetzten Kondensators waren im ganzen Gerät verteilt zu finden.
THE-FISHER SA-1000: Eine Legende des Röhren-HIFI.
Problem: ein Kanal rauscht und chrost, der andere ist stumm.
Nachdem die Bauteile im Bild ersetzt waren: toller Vintage-Röhren-HIFI-Sound!
 
Conrad-Johnson: Röhren Vor- und Endverstärker sind immer eine Freude zum Revidieren und Reparieren. Hochwertige Bauteile und saubere HIFI-Röhren-Technologie zeichnen die Geräte aus.
Antique Sound Lab, AQ 1001 DT: Röhren-HIFI auf hohem Niveau, aber die Röhrensockel für die schweren und grossen KT88 und für die ECC... in der Vor und PI-Stufe sind in der Printplatte nur verlötet und nicht mit Schrauben fixiert.
Wackelkontakte sind die Folge. Wie ebenfalls links oben im Bild sichtbar werden die Anodenwiderstände der PI-Stufe extrem heiss und haben die Printplatte im Laufe der Zeit stark angekohlt.
 
Abhilfe siehe nächstes Bild:
 
 
Antique Sound Lab, AQ 1001 DT: Beide Kanäle wurden auf P-to-P-Verdrahtung umgebaut. Der Aufbau wurde auf Boards mit Lötstützpunkten ähnlich wie bei den alten VOX-Amps realisiert und die neuen Röhrensockel auf Aluplatten geschraubt, mit den gleichen Abmessungen wie die beiden Printplatten im Original.
Der Verstärker gewann an mechanischer Stabilität und die elektrischen, soundbestimmenden Messwerte wurden sogar noch besser als in ursprünglicher Printausführung.